Juli 2019: Besuch aus Mavande

DER BESUCH AUS MAVANDE, TANSANIA, WAR HIER!

Kaum zu glauben - am 19.Juni 2019, 9 Uhr morgens am Münchner Flughafen, war es endlich so weit -- sieben Besucher unserer Partnergemeinden Mavande und Mtwango kamen an, lang erwartet, mit Zittern ersehnt da die rechtzeitige Erteilung der Visa fraglich war und ohnehin schon den ursprünglichen Zeitplan (geplante Ankunft eine Woche früher) über den Haufen geworfen hatte. Hier gut vorbereitet, mit mehreren Treffen und Tausenden von "What's App"-Nachrichten. In Empfang genommen von sechs Personen der Gustav-Adolf-Kirche (Partnergemeinde Mtwango) und Jesaja-Kirche (Partnergemeinde Mavande). Ankommend 3 weibliche Jugendliche - Koleta, Joy, Lenick, und ein männlicher - John, sowie als Begleiter der langjährige Pfarrer von Mtwango - Osias Mkayula, der neue Pfarrer von Mavande - Ezekia Mwelange, und die Lehrerin Ester Joel. Ausser Pfr. Mkayula, der schon 2015 Deutschland besucht hat, waren wohl alle das erste Mal hier. Später kamen noch Atupevilwe ("Atu") (weiblich) und Julius dazu, weil ihre Visa-Erteilung noch länger gedauert hatte. Von diesen Jugendlichen sind 2 ausgebildete Lehrer (aber ohne Anstellung, da der tansanische Staat aus Ersparnis z.Zt. keine Lehrer einstellt), eine lernt Pharmazie-Laborantin, 1 Landwirt, eine möchte ab Herbst studieren (Medizin), und Atu hat ihre Ausbildung "Schneidern und Kochen" vor kurzem abgeschlossen.

Die Begrüssung war herzlich, und auch ein wenig scheu, besonders seitens der Jugendlichen. Kein Wunder, waren wir uns doch noch fremd. Wie anders, als ich mich nach 7 Tagen von allen verabschieden musste - ich spürte besonders bei den Jugendlichen Wehmut (die ich selbst ebenfalls fühlte, auch in den folgenden Tagen). Denn wir sind uns nähergekommen, haben uns liebgewonnen und schätzen gelernt.

AM Stachus

 

 

 

 

Wir haben den Besuchern unsere Kirchen und einiges von München gezeigt, ihnen vorgeführt dass und wie Senioren im Altersheim leben, wie schön Oberbayern und eine Bergtour ist (d.h. wir sind auf den Schliersberg alias Rohnberg bei Schliersee gewandert, ca. 500 Höhenmeter - kein Problem für unsere Besucher):

weg zum Rohnberg  

auf dem Rohnberg

Die JugendlichenWir waren mit ihnen auf dem Olympiaturm, dem Ostfriedhof, und einem Bio-Bauernhof, und haben ihnen die Kleiderkammer der Jesaja-Gemeinde und deren Notwendigkeit erklärt. Sie haben bei der "Münchner Tafel" der Läthare-Kirche in Neuperlach 5 Std. mitgearbeitet, mit einer Schulklasse gesprochen, mit unseren Jugendlichen zusammen gegrillt, gechillt, eingekauft, Jugendgottesdienst besucht, einen Sponsoren- (Spenden-sammel-) Lauf gemacht (über 1700€ Spenden J):

Nach dem Sponsorenlauf

Die Jugendlichen übernachteten meistens in zwei Räumen des Gemeindezentrums von Gustav-Adolf, aber auch zwei mal 2 Nächte bei Familien. Die 3 erwachsenen Begleiter immer bei Familien.

Vor jeder Mahlzeit wurde gebetet, auf Kisuaheli oder Englisch. Unsere Besucher haben uns immer wieder mit Kisuaheli-Gesängen erfreut, meistens Kirchenlieder - einmal hat mir eine zuhörende Bayerin freudig erzählt, dass sie die Melodie des Kisuaheli-Liedes gut kennt als "Du großer Gott, wenn ich die Welt betrachte (Refrain: Dann jauchzt mein Herz)", was ihre Eltern gerne sangen. Vermutlich ist das Lied vor langer Zeit ins Kisuaheli übersetzt, und in Tansania ins Kirchengesangbuch aufgenommen worden. In den aktuellen deutschen Kirchen-Gesangbüchern scheint es nicht mehr enthalten zu sein, aber es gibt Videos auf Youtube davon.

handieWie die meisten von uns Deutschen haben die Tansanier viel mit ihren Smartphones kommuniziert (einmal gelang mir ein Schnappschuss wie alle Tansanier nebeneinander sitzen und damit hantieren). Sie haben "What's App" und konnten so mit zu Hause in Verbindung bleiben, allerdings ist in Mavande die Bandbreite der mobilen Daten so gering dass die What's App Sprachverbindung schlecht ist.

Eis essenDie Gäste haben gerne und mutig das Essen hier probiert, ganz sicher ist vieles davon neu für sie gewesen. Sicher neu waren Erdbeeren - wir zeigten ihnen, wie der grüne Blattkranz vor dem Essen zu entfernen ist. Sie schienen ihnen zu schmecken.

Besonders gewundert haben die tansanischen Besucher sich über mehrere unterirdische Stockwerke bei z.B. U-Bahn-Stationen, wieviele Autos z.B. vor Mehrfamilien-Häusern parken, den starken Verkehr, alle Straßen sind gepflastert, die großen Bauernhäuser in Dörfern, die Sauberkeit der Umwelt. Aufgefallen ist ihnen dass Männer (Väter) sich in der Öffentlichkeit viel mit ihren Kleinkindern beschäftigen ("müssen wir auch in Tansania mehr propagieren"), dass die Kommunikation direkter ist ("nicht um den heißen Brei herumreden"), wie der Staat die Armen unterstützt, aber auch Freiwillige helfen (z.B. bei der Münchner Tafel). Neu waren für sie elektrische Rollstühle, dass Hunde und Katzen Namen haben, und diese in Bahnen, und Autos mitfahren, wie eine Vogelmutter (in einem grünen Innenhof) ohne Scheu vor Menschen ihre Jungen füttert.

Gelitten haben sie an den hohen Temperaturen, welche ausgerechnet zur Besuchszeit herrschten (über 30 Grad), denn im Gegensatz zu unseren Vorstellungen von Afrika (Tansania liegt ein wenig südlich des Äquators) ist es in Mavande nie so heiß wie diese hohen Temperaturen, weil Mavande sehr hoch liegt (ca. 2000 m über Meeresspiegel).

Die Zeit mit unseren Besuchern (ich war 6 Tage dabei) war beglückend, aber auch anstrengend. Zum einen ständig organisieren - wie kommen wir ans nächste Ziel, wer macht das Essen, was ist für den nächsten Ausflug zu bedenken und planen, zum anderen das Englisch der Tansanier versuchen zu verstehen und sich selber auf Englisch ihnen verständlich zu machen. Obwohl mein Englisch nicht so ganz schlecht ist. Den Großteil der Organisation haben geleistet Angela Zielke und besonders Christian Pesth, der unermüdlich ständig bei den Besuchern dabei war, und zwischendurch, und früh morgens und abends bis spät jede nötige Einzelheit organisiert hat. Ganz herzlichen Dank dafür!

Herzlichen Dank auch all den anderen Organisatoren und Helfern, ohne so viele Mitwirkende hätte es nie geklappt. Erwähnt sein auch, dass der Hauptteil der Betreuung durch Mitglieder der Gustav-Adolf-Gemeinde geleistet wurde, unsere Jesaja-Gemeinde alleine hätte das nicht stemmen können. Danke!

Rückmeldungen der Tansanier nach dem Besuch: "… habe mich wie in einer großen Familie gefühlt …" "auch andere Gruppen sollen sich kennen lernen. Zum Beispiel die Frauengruppen oder Erwachsenengruppen oder musikalische Gruppen. Damit die Partnerschaft auf vielen Ebenen gestärkt wird."

Jürgen Hain